"und" weiß ich immer noch nicht, aber dieses spitzbübisch-verschmitzte lächeln in seinen augen, das dieser aussage folgte, allzugut in meinen.
lehmann denkt überhaupt nicht daran, zu sterben. dann kann der gute ja nicht mehr rauchen! ;-)
sie rauchten wie die schlote: freud, castor, sartre, lacan und wie sie alle hießen; beide schmidts und lehmann tun's noch heute, die drei vermitteln, über hundert lebensjahre müsse man sich errauchen. (alle wurden bzw. sind uralt; allerdings, mit sartres letzten fünf oder freuds letzten 15 wollte ich ums verplatzen nicht tauschen, sie dienen der warnung ebenso, wie meine gelegentlich wegen einer menschheitsgeschichtlich bedingten glossitis rhombica -ungefährlich, aber!- leicht blutenden zunge. ich frage mich, inwieweit freuds schwere & äußerst schmerzhafte kiefererkrankung einfluß nahm auf die entwicklung & den fortbestand seiner idee von einem todestrieb, die ich, und da bin ich sehr nahe an w. reich, verabscheue.)
lehmann, in rauchschwaden verhüllt, (ich sah ihn kaum, "gert, sei herzlich gegrüßt! schön, Dich wiederzuahnen."), kratzte sich bei unseren treffen immer sein gesamtes pfeifenarsenal sauber, mit einer lautstärke, die der qualmmenge in nichts nachstand. bei der letzten pfeife angekommen, fragte er: "stört Dich doch nicht, oder? ;-)
das papier jedenfalls, um die nächste seite jenes blattes aufzuschlagen, das das da oben am schluß eingeklammerte bild enthält, entbittert, ist nachlehrreichlich in einem guten sinne nicht weiß, aber umweltfreundlich grauweiß recycled & bietet an, sich wieder beschreiben zu lassen. (und das grauweiß weist haarträchtig darauf hin, trotzdem kein jahr mehr jünger zu werden. *g*)
* * *
weihnachten war da und die ... niederlage - etwas fing wieder an. ... alle die morgen und abende einholen, die er vier jahre, dreißig jahre lang zwischen seinen fingern hatte zerinnen lassen. gewiß, man kann nicht alles sagen, aber ... versuchen, den echten duft des lebens wiederzugeben. jedes hat seinen eigenen, der ihm allein anhaftet, und man muß ihn wiedergeben, sonst lohnt es nicht, daß man schreibt: "ich will reden von dem, was ich geliebt habe, was ich liebe und was ich bin." er zeichnete einen blumenstrauß. ... wen fand er da nach so langer abwesenheit wieder? es ist schwierig, sich von innen her zu definieren und seine grenzen abzustecken. ... weder ... besessen noch fanatiker, ... kam sich eher wie jedermann vor, aber eigentlich störte ihn das nicht. ...
ach was - das würde er später sehen. jetzt galt es vor allem, sich nicht mit problemen zu verwirren, sondern einfach aufs geratewohl irgendwo zu beginnen: etwa bei den mondbeschienenen gärten ... das papier war leer: man mußte die gelegenheit nutzen.
"die einstige wasserstelle, spendet sie noch köstlich-klares süßwasser?"
und man will ansetzen, denkt, 'nichts leichter als das', doch plötzlich spürt der gaumen den klebrigen annäherungsversuch einer schockgetrockneten zunge, wie nach gierigem trinken eines großen süßwasserglases luft.
und man versucht, möchte gerne antwort geben, versucht es weiter, doch die zunge löst sich nicht. dabei aber wird eines bitterklar: der unterschied zwischen einer süßwasserstelle, die später einfach versalzte und einer, die sich von anfang an nur in der luft spiegelte.
(und endlich saugt die klarheit auch noch das bittere als ihre letztverbliebene markierung aus sich heraus.)
ein freund besuchte mich und hatte cappy im schlepptau. ich kannte sie nicht. sie sagte fast nichts, saß nur da, lächelte verbindlich, wirkte interessiert & stellte ihre ohren auf wie ein kaninchen, während ich mich mit dem freund über die göttin & die welt unterhielt. cappy stand öfter mal vom sofa auf um sich in der wohnung umzusehen: welche bilder an den wänden hängen, warhols suppendosen, welche lebensmittel ich bevorrate, welche bücher im regal stehen & "oh, du trägst ja rote socken, wie ungewöhnlich!" ... es schien, als würde sie photografieren ...
einen tag später klingelte es, cappy stand vor der tür. ... "was schätzt du besonders an andy warhol?" ... sie wußte mich zu erstaunen ob ihrer detailkenntnis, sie wußte bei weitem mehr über ihn als ich. "... er war ja auch, er hatte ja auch, und dann war er auch noch und hatte auch noch ...", jedoch auf eine ganz sonderbare weise harmonierte ihre faktenaufzählung nicht mit ihrem bekenntnis, warhol zu mögen. (und fragte sie nicht gestern, wer denn suppendosen male?) sie ließ mir keine zeit für bedrückenden zweifel.
...
zwei tage später. "magst du kaffee oder tee?" cappy sagte, sie liebe kaffee. 'stimmt', schimmerte es durch den ansatz eines gedankens, unter den sich vage die erinnerung mischte, daß der freund mal erwähnte, sie würde kaffee hassen, 'ich bin ja kaffeetrinker'. keine miene verzog sie bis zum letzten schluck.
der name
eines bildes
fiel
zwei zweite tage, sonne im sommer
nach zwei ersten
das bild ließ sich nicht aus seinem brüchigen rahmen brechen
von dessen splittern es gehalten wurde
pinzette für die hände & jahre
verwitterung zur rundung der spitzen, sehen
ob die sonnenstrahlen nur splitter waren, oder nein
gleich die staffelei unter den linken arm klemmen & über gassen schlendern, ach
doch längst gegangen.
oooh, da stellen Sie eine sehr gute frage! sekunde bitte, sie werden es kaum glauben, doch da muß ich tatsächlich selbst nachsehen;
ich rufe mich selten so selten an, wissen Sie?