zum tode von mischa wolf

>>> friedrich-wolf-gesellschaft
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Erklärung des Vorsitzenden der PDS, Professor Dr. Lothar Bisky:
Markus Wolf ist tot. Seine Intelligenz, auch seine Offenheit, seine
Unterstützung für die grundlegende Erneuerung der Partei ist Vielen in
bleibender Erinnerung. Dies gilt auch für seine Hilfe nach der Wende,
Geschichte aufzuarbeiten und die Auseinandersetzung in der Entwicklung
zu einer demokratischen sozialistischen Partei offen und ausgewogen zu
führen.
Markus Wolfs Lebensweg kann widersprüchlicher nicht sein. Er ist auf
seine Weise Ausdruck des "Jahrhunderts der Extreme". In Hoffnung auf
ein anderes, ein gerechteres Deutschland hat er auf der einen Seite
deutlichst undemokratische Strukturen, einen politischen Missbrauch im
Namen des Sozialismus mitgetragen. Er hat auf der anderen Seite selbst
Konsequenzen aus diesen Erfahrungen gezogen in Zeiten, da es niemand
von ihm erwartete oder einforderte.
Markus Wolfs Lebensweg hat in den 90er Jahren die juristische Frage
hervorgebracht, ob die Auslandsaufklärung der DDR für die BRD eine
Schädigung war. Markus Wolf selbst plädierte für eine politische,
historische und gesellschaftskritische Bewertung sowohl seines eigenen
Lebensweges als auch der Bewertung der Sicherheitspolitik der DDR als
Teil des realsozialistischen Lagers bis 1989. Vielen galt er als
Top-Aufklärer, dennoch und darüber sollten Viele nachdenken ist die
DDR gescheitert und untergegangen.
Markus Wolf war Mitglied der Linkspartei.PDS und Mitbegründer des
Ältestenrates.
Seine politische Biografie begann im sowjetischen Exil während der
Naziherrschaft in Deutschland. Kurz nach der Gruppe Ulbricht kam er
nach Deutschland, um dann als erster Botschaftsrat der DDR in Moskau
tätig zu werden. 1951 begann seine Tätigkeit beim Außenpolitischen
Nachrichtendienst, der 1953 dem Ministerium für Staatsicherheit
angegliedert wurde. International bekannt als "Mann ohne Gesicht"
wurde Markus Wolf erst Ende der 70er Jahre im Westen identifiziert.
Der bis dahin über zwei Jahrzehnte als einer der stellvertretenden
Minister für Staatsicherheit fungierende Generaloberst schied am 30.
Mai 1986 auf eigenen Wunsch aus seiner Arbeit beim Ministerium für
Staatsicherheit aus und tritt in die Fußstapfen seines Vaters, des
kommunistischen Schriftstellers Friedrich Wolf.
Sein Buch "Die Troika" erschien zur frühen Wendezeit und ist ein
sensibles Vermächtnis an die Kinder und Enkel des kalten Krieges und
eine Hommage an seinen Bruder, den Filmregisseur Konrad Wolf.
Politisch wach, schriftstellerisch engagiert, geht Wolf durch die
Wendezeiten 1989/90. Auf der Demonstration am 4. November 1989 in
Berlin ruft Markus Wolf zur Besonnenheit gegenüber den Mitarbeitern
der Staatsicherheit auf.
Er war Kämpfer gegen das Nazi-Regime, Chef der Aufklärung der
Staatssicherheit und Schriftsteller, also voller Widersprüche.
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Kein Mann >>> ohne Gesicht
Generaloberst und langjähriger Chef des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, Literat und Intellektueller: Markus Wolf starb im Alter von 83 Jahren
Von Peter Wolter
Westlichen Geheimdiensten galt er jahrelang nicht nur als »Mann ohne Gesicht«, sondern auch als ihr schärfster Widersacher: Generaloberst a. D. Markus Wolf, stellvertretender Minister für Staatssicherheit und langjähriger Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der DDR. Er starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 83 Jahren in Berlin.
Markus Wolf – seit seiner Moskauer Zeit allgemein »Mischa« genannt – hat die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit zu einem der damals wohl erfolgreichsten Geheimdienste der Welt geformt. Unter seiner Führung gelang es, in die wichtigsten Entscheidungszentren der BRD vorzudringen, in ihre Geheimdienste, in diplomatische und militärische Spitzenpositionen, sogar bis ins Kanzleramt. Auch die NATO und die US-Streitkräfte waren nicht sicher vor dem Einfallsreichtum und der Hartnäckigkeit der Berliner Genossen. Viele geheime Dokumente kannte die HVA lange, bevor sie der Bundesregierung oder NATO-Gremien vorlagen. Ziel der DDR-Aufklärung war es von Anfang an, sämtliche Entscheidungszentren der Gegenseite so unter Kontrolle zu halten, daß jede Art von Aggression gegen die DDR und andere sozialistische Staaten schon im Ansatz aufgeklärt wurde. Der DDR-Geheimdienst hat somit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, daß Europa ein halbes Jahrhundert lang von Kriegen verschont blieb. Ziel war es nie, wie immer wieder unterstellt, die Verhältnisse in der BRD zu destabilisieren.
bitte weiterlesen in der hervorragenden tageszeitung
>>> junge Welt
Bell On A Rip - 2006/11/11 07:28
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